Wenn man keine Straßen will
In Bonn gibt es Straßen. Große wie kleine. Manche davon wurden gebaut und geplant, als Bonn Bundeshauptstadt war. Damals hat man viel geplant, aber kaum etwas realisiert. Ganz im Gegenteil.
Schon in den 1960ern war die Südtangente gesetzt. Eine Direktverbindung von der A3 im Osten zur A 565 im Westen, durch Bonns Stadtgebiet südlich des Stadtzentrum, zwischen Bonn und Bad Godesberg.
Hierzu wurde die Konrad-Adenauer-Brücke gebaut, Bonns Südbrücke. Das hat man noch realisiert. Die heute – Stand Juni 2026 – einzige Autobahnbrücke zwischen Köln und Koblenz. Überhaupt seit Sperrung der Friedrich-Ebert-Brücke, Heimat der A565 im Norden, Bonns aktuell einzige Brücke, die in der Lage wäre, nennenswert Verkehr zu tragen. Wäre. Wenn man sie denn vernünftig angebunden hätte.
Das hat man natürlich nicht. Den Rest der Südtangente hat man sein gelassen. Es war alles andere wichtiger.
So war mal der Plan, die A 562 im Westen an die A 565 anzubinden. Hierzu wurden über Jahrzehnte Flächen zwischen Bonn und Bad Godesberg freigehalten. Aber… das ginge ja durch Natur und da gibt es Frösche, Lurche, und wer weiß was noch. Alles wichtiger als er Mensch. Da will man keine Autos. Letztendlich wurde der Plan vor rund zwei Jahrzehnten endgültig aufgegeben und die bis dahin freigehaltenen Flächen zur anderweitigen Bebauung freigegeben.
Und auch eine Anbindung der A 562 südlich Bonns zur A 3 im Osten… längst vom Tisch. Gar nicht auszumalen, was wäre, wenn die Holtorfer oder Hoholzer einen eigenen Autobahnanschluss hätten. Man hatte Angst vor mehr Verkehr.
Mehr Verkehr wo? Auf der Autobahn? Klar. Aber dass das weniger Verkehr an anderer Stelle bedeutet, wesentlich weniger Verkehr, bzw. dass insgesamt mehr Verkehr halt insgesamt mehr Lebensqualität heißt, weil es schlicht bedeutet, dass mehr Möglichkeiten genutzt werden? Das interessiert keinen.
In 5 Minuten von von Stieldorf nach Hochkreuz? Natürlich nicht, wenn du dazu mitten durch Holtorf&co. fahren musst. In 5 Minuten von Röttgen? Sicher nicht, wenn du dich dazu erst einmal an der Verstopfung der Reuterstraße beteiligen musst!
Und auch die Kennedybrücke, im Zentrum Bonns, einst vierspurige Straße mit viel Durchsatz: Will man nicht. Heute zweispurig und die Anbindung eher verkehrsberuhigt als auf Durchsatz getrimmt. Sie hätte zur Entlastung beitragen können. Mit einer Verbindung im Osten vom alten Friedhof zur Endenicher Straße hätte diese die umliegende Innenstadt prima anbinden und dabei mächtig entlasten können. Da ginge viel Durchsatz über die B 56. Man sieht auf Straßenkarten wie schön es passen würde. War wohl auch geplant. Will man aber nicht. Weg damit. Gibt es nicht, wird es nicht geben. Genauso wenig wie einen Ausbau im Osten über Hangelar Richtung Sankt Augustin. Geschichte.
Eine Straße mit Durchsatz durch Bonn? Nix da. L 300 und B 9 als Zubringer zur Brücke sind nicht mehr, das Abbiegen von und zu wichtigen Zubringern teils gar verboten. Wie soll das sinnvoll funktionieren? Einspurig Richtung Stadthaus, quasi verkehrsberuhigt. Wer wundert sich da über jede Menge Staus im Stadtgebiet? Wundern darf man sich da schlicht nicht, das ist genau so gewollt. Nutzt verdammt nochmal das Rad oder geht zu Fuß!
Folge war schon vor Sperrung der A 565: ständige Staus auf und um die B 56, östlich des Rheins genauso wie westlich.
Die B 56 ist doch aktuell durch Bonn eher als verkehrsberuhigtes Gebiet geplant und KEINE Bundesstraße! Genauso wie die Adenauerallee, B 9, keine Durchgangsstraße, keine Bundesstraße! Die Abstufung zur Landesstraße – wenn nicht gar eher Kreisstraße – ist doch wahrlich längst überfällig.
Jegliche Straße, die entlasten könnte, ist hierzu gänzlich ungeeignet. Insbesondere das Gebiet um die Bahntrasse durch Bonn, auf und um Bahnstraße/Oscar-Romero-Allee: In Ost-West-Richtung gänzlich ungeeignet, die Schranken sind eh immer zu und auch parallel der Bahn unbenutzbar wegen der unmöglichen Ampelschaltungen, die selbst bei geringem Verkehr jeglichen Durchsatz ersticken. Verkehr ist dort offensichtlich gar nicht erwünscht.
So erstickt die Reuterstraße, die an der Stelle eigentlich gänzlich ungeeignet für viel Durchsatz ist, diesen aber tragen muss, weil es die einzige Straße ist, die überhaupt dafür in Frage kommt. Wer sich das ausgedacht hat, gehört gesteinigt.
Was das Ganze noch toppt sind Straßen, die zu Fahrradstraßen umgemünzt werden, ohne dem Radverkehr irgend einen Vorteil zu bieten. Fast alle sind vor der Umwidmung genauso gut oder schlecht mit dem Rad befahrbar gewesen wie danach und der einzige relevante Unterschied, die Erlaubnis zum beidseitigen, paralleln Befahren, jetzt nach der offiziellen Erlaubnis in Form der Fahrradstraße mangels Platz gar nicht ausnutzbar. Da geht es nicht um sinnvolle Maßnahmen, sondern um Papiertiger, Symbolpolitik. Allem voran die B 9 südlich des Stadtgebietes, die nun 50% ihrer Fläche für den Radverkehr freihält, was dazu führt, dass sich dort PKWs stauen, während der Radbereich der Straße völlig frei ist, da Radfahrer weiterhin lieber über den parallel liegenden, echten und wesentlich sinnvolleren Radweg am Rheinufer fahren. Oder die mit Schilderflut und Tonnen an Farbe umgestaltete Fahrradstraße „Pützchensweg“ am Rand eines Wohngebietes in Küdinghoven: Eine verkehrsberuhigte und kaum befahrene Vorfahrtstraße ins Nichts.
Bonn, einst im Römerreich als relevanter Verkehrsknoten entstanden, ist das spätestens heute nicht mehr. Lassen wir es dabei. Man kann nur jedem Arbeitnehmer und Arbeitgeber empfehlen, Alternativen im Umland zu suchen.
Wer war noch gleich dafür, irgendwelche Bundesämter und Ministerien da zu belassen?
Blöde Idee. Merkt ihr doch auch.
Lasst doch den ganzen Scheiß nach Berlin ziehen und gut is. Berlin ist wenigstens eine Stadt, die auch Stadt sein will und die ist groß genug, so dass eh nur ÖPNV funktioniert und besser ist. Und schön flach, so dass man prima Rad fahren kann. Und Wasserstraßen, auch wenn es viel mehr gibt, leichter überwindbar. Wer will in Bonn schon zwischen Hardtberg und Venusberg pendeln… einerseits mit dem Rad eine Tortur, aber auch nur so möglich. Denn die Anbindung wurde viel diskutiert, aber schlicht gar nichts davon realisiert. Keine Bahn, dagegen sind die Seilbahnbeführworter. Die Seilbahn gibt es aber auch noch nicht, ist halt auch nicht mal eben so einfach realisierbar. Und Straßen solls ja auch nicht geben, die sind eh böse und wenn das gesamte Stadtgebiet samt Umland halt verkehrsberuhigt wird und keine neue Straße gebaut werden darf, ist der motorisierte Individualverkehr nun wahrlich keine Alternative. Man baut den Straßenverkehr ab, bevor es wirksame Alternativen gibt.
Da gilt das Musk/Tesla-Phänomen: Wir zerstören schon mal die vorhandenen Lösungen, weil wir planen, in Zukunft ohne diese auszukommen. So wie Tesla Ultraschallsensoren gestrichen hat, bevor das angedachte Vision-Only-System funktioniert, so lässt Bonn Straßen zurückbauen, bevor es Alternativen gibt. Bei Tesla funktionierte dann wenigstens ein Jahr später Vision-Only wirklich, und das durchaus ganz tauglich. Wo ist nun in Bonn die ÖPNV-Anbindung als Ersatz für all die weggefallenen Autostraßen? Für den ständig verstopften Rest? Da warten wir wohl noch etwas länger drauf. Derweil verbleiben die Parkplätze die markantesten Objekte auf Luftbildern des Venusberges und Pendler aus Bonn nutzen die eine Straße dahin, die in der Stadt nur durch Wohngebiete und Anwohnerstraßen angebunden ist. Mein Glückwunsch an die Anwohner, ihr wolltet es so!
Ob der Verkehrssituation Juni 2026 verbleibt mir sowieso insgesamt nur ein hämisches: Ihr wolltet es so. Man erntet, was man sät. Und die Bonner Verkehrsplanung sät seit Jahrzehnten den Samen des Verkehrskollaps. Nun wird dieser so langsam erntereif. Aber hey, den Juni dürft ihr kostenlos Bahn fahren. Also nicht die, die sowieso ein Abo bezahlen; nur die, die das nicht haben. Und da auch nur auf Bonner Stadtgebiet. Ein Angebot, die Stadt auch von Nutzern aus dem Umland zu entlasten? Wo kämen wir da hin!? Die sollen schön weiter mit dem Auto pendeln.
Apropos pendeln. Wenn wir Ministerien und Bundesämter in Berlin konzentrieren, dann erledigt sich auch das unsägliche und Energieaufwändige Pendeln von Politikern und Beamten zwischen Bonn und Berlin. Zumal man Bundesämter eh sinnvoller an einem Fleck konzentriert. Dieses ganze rumgereise, das es gar teils innerhalb einzelner, deutschlandweit verstreuter Bundesämter gibt, ist unnötig und pure Umweltverschmutzung! Das sollte man komplett sein lassen. Das ist einfach nicht zeitgemäß. Nicht in einer Zeit, in der es heißt, zum Wohle der Umwelt Energie zu sparen. Ministerien und Bundesämter gehören an einen, zentralen Fleck: die Hauptstadt.