Ist nuhr Hetze
Nuhr im Ersten. Satiriker und Komödianten äußern sich mit Humor und scharfer Pointe zu (nicht nur, aber eben auch) gesellschaftlichen und politischen Themen. Kabarett halt.
Nun hat Dieter Nuhr sich eben auch mal darüber echauffiert, dass “Männer alle scheiße” sein sollen. Er verweist auf eine Sendung im ÖRR, die dies im Titel trägt. Ebenso spricht er die Aussage einer Autorin der Süddeutschen Zeitung an, der es darum geht, dass sie ja gerne mit Männern leben möchte, dies aber nicht geht, weil sie sich “statistisch gesehen sogar vor Gewalt fürchten” müsse und die mit der Frage “Warum hasst ihr uns?” die Aussage in den Raum stellt, dass alle Männer so generell Frauen hassen.
Nein, tun sie nicht. Nicht nuhr der Dieter nicht. Der absolut überwiegende Teil tut das nicht.
Hm, wie soll man das einer Generation Mensch, die den natürlichen Unterschied zwischen Mann und Frau verlernt hat, nun irgendwie klar machen? Vermutlich zwecklos.
Werte Befürworterin der Artikel, die Nuhr hier ankreidet: Nur weil du mehr Care-Arbeit machst, heißt das nicht, dass du mehr arbeitest und nur weil dein Mann an einer Stelle anders reagiert als du es würdest oder sich anders verhält, heißt das nicht, dass er dich hasst. Was für deine Oma noch selbstverständlich war, ist für dich - genau, nur für DICH - ein riesen Problem. Weil du so erzogen wurdest. Das Problem des Teils einer Gesellschaft, der die Unterschiede verkennt und leugnet. Nicht weil das bei allen so wäre, sondern weil sie selber ein Problem haben. Das ist das Problem!
Für den Teil der Gesellschaft, der seit Jahrzehnten bei der Aufteilung zwischen gut und böse alles in die Kiste gut steckt, was dieser weiblich assoziiert und alles in die Kiste böse steckt, was von diesen männlich assoziiert wird, was soll anderes dabei heraus kommen?
So ist natürlich auch klar, dass man dem Kern einer Aussage eines Mannes gar nicht erst nachgehen muss. So ist der Bezug zu der Pauschalisierung, Männer wären alle scheiße, völlig uninteressant, wenn es um die Frage geht, ob sich ein solcher zu Morden an Frauen äußern darf. Natürlich darf er das nicht! Es geht sogar so weit, dass man zur Programmbeschwerde beim RBB aufruft. Mit Mustertext, selbstverständlich.
Was war der Stein des Anstoßes? Folgende Formulierung:
Es gibt etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr und bitte, natürlich sind das 300 bis 350 zu viel, das ist doch keine Frage. Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer, die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null. Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erstmal kennenlernt.
Nun soll man sich daraufhin beim RBB beschweren.
Folgende Begründung wird dabei u.a. angeführt:
- Achtung und Schutz der Menschenwürde
Gemäß den allgemeinen Angebotsgrundsätzen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks müssen alle Sendungen die Würde des Menschen achten und schützen. Indem Nuhr die Morde an Frauen als statistische Bagatelle abtut und den Opfern mit seinem “Ratschlag” (den Partner vorher besser kennenzulernen) eine Mitschuld gibt (“selbst schuld”), wird den Opfern schwerer Gewalttaten der Respekt abgesprochen. Die Verhöhnung von Mordopfern für eine Pointe greift in den Schutzbereich der Menschenwürde ein. - Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern
Femizide sind der extremste Ausdruck patriarchaler und struktureller Gewalt gegen Frauen. Das Problem als irrelevant abzuwerten (“Wahrscheinlichkeit liegt praktisch bei null”) und in ein “Männer-Frauen-Witzprogramm” einzubetten, reproduziert sexistische Stereotype. Anstatt zur Gleichberechtigung beizutragen, manifestiert der Beitrag ein Klima, in dem Gewalt gegen Frauen als Lacherstoff dient und somit verharmlost wird. - Verbot von Diskriminierung
Die Angebote dürfen niemanden wegen seines Geschlechts diskriminieren oder benachteiligen. Die im Text beschriebene Andeutung, Frauen würden “einfach zu schnell mit irgendwem ins Bett steigen”, bedient tief verankerte, frauenfeindliche Klischees (Slut-Shaming). Die Reduzierung eines fatalen, gesellschaftlichen Problems (Männergewalt) auf das vermeintliche Fehlverhalten von Frauen ist eine stark diskriminierende Darstellung. - Objektivität und Wahrhaftigkeit (Informationspflicht)
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist zur Wahrheit, Sachlichkeit und zur umfassenden Information verpflichtet. Durch das Ausklammern der versuchten Tötungsdelikte (938 Fälle) und der hohen Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt, rechnet der Comedian das Problem künstlich klein. Auch wenn es sich um Kabarett handelt, wird hier mit echten Statistiken hantiert, die dem Publikum einen irreführenden, verfälschten Eindruck von der tatsächlichen Gefahrenlage für Frauen in Deutschland vermitteln.
Das möchte ich wie folgt Kommentieren:
- Es geht in Nuhrs Beitrag darum, dass nicht alle Männer scheiße sind. Er bezieht sich dabei auf Beiträge im ÖR und der Presse, die dies behaupten. Wenn irgendwelche Sendungen des ÖR anzukreiden sind, weil die Menschenwürde missachtet wird, dann sind das somit andere.
Er tut dabei Morde an Frauen keineswegs als Bagatelle ab, wenn er klarstellt, dass jeder einzelne davon einer zu viel ist. Er setzt es nur in Relation zu obiger Aussage, die er in unmittelbarem Zusammenhang genannt hat. Und da ist es nun einmal Fakt: Wenn weniger als 0,00001% der Männer in Deutschland einen Femizit begehen, ist das in der Tat bei der Entscheidung, eine Beziehung mit einem Mann einzugehen, ein irrelevanter Umstand, der einen nicht davon abhalten darf. Das ist in der Tat in dem Zusammenhang – und genau in diesem Zusammenhang steht diese Aussage – praktisch null.
Die Realität ist insofern eben in der Tat völlig konträr zu den Behauptungen der Artikel, auf die Nuhr sich dabei bezieht, die ob der Gefahr den Mann allgemein für schlecht und gefährlich betiteln.
Genau in diesem Zusammenhang stand nun einmal die Aussage zu den Femiziden und eben NICHT generell nur auf sich bezogen, so wie es jetzt von all den vielen, die an der Stelle wohl mit dem Denken nicht mitkommen, behauptet wird.
Für sich genommen sind hunderte Morde an Frauen pro Jahr selbstverständlich relevant. Aber bei einer Bewertung aller Männer eben nicht!
Ihr rennt hier blind einer Hetze hinterher. Ihr betreibt Hexenverfolgung.
Sofern man unter Menschen Männer und Frauen versteht und nicht nur Frauen, achtet diese Sendung somit die Würde des Menschen mehr als andere Sendungen, die an der Stelle deutlich einseitiger sind. - Die Anzahl Morde an Männern überwiegt die derer an Frauen. Wenn man hier irgendwie – was natürlich totaler Humbug ist – mit Förderung von Gleichberechtigung argumentieren will, dann muss man insbesondere Morde gegenüber Männern bekämpfen bzw. die an Frauen gar noch fördern.
Die Behauptung, im Beitrag würden Morde an Frauen als irrelevant abgetan, ist dabei natürlich schlicht Unsinn. Nuhr sagt sogar, dass sie absolut relevant sind, wenn jeder einzelne einer zu viel ist. Sie haben halt eben nur, wenn es gerade mal 0,00001% der Männer betrifft - und das ist tatsächlich so und genau das sagt auch Nuhr - keinerlei Relevanz, wenn es generell um Beziehungen zu Männern geht! Wenn nun wer - wie im Artikel, den Nuhr dort anbringt - behauptet, man könne wegen der allgegenwärtigen Gefahr umgebracht zu werden, keine Beziehungen mit Männern führen, dann ist genau das - zu Recht! - klar und deutlich anzukreiden. Und genau das darf man so auch sagen. (Wer auf Grund dessen dennoch Angst vor Männern allgemein hat und diese daher generell meiden will, soll das bitte tun. Die Option, erst gar keine Beziehung zu führen oder ausschließlich welche mit Frauen, steht JEDEM offen!) - Diskriminiert wird von Nuhr an der Stelle niemand - ganz im Gegensatz zu den anderen Formaten, in denen Männer “strukturell” diskriminiert werden: Eben indem ihnen allgemein etwas vorgeworfen wird, das nur einzelne betrifft! (Und hier sei wieder auf eine Zahl kleiner als 0,00001% verwiesen)
Das wiederum ist in der Tat diskriminierend, genau so wie er es an Beispielen anbringt, bei denen eben auch von einzelnen nicht auf die gesamte Gruppe geschlossen werden darf.
Dabei ist die Behauptung, er hätte behauptet “Frauen würden ‘einfach zu schnell mit irgendwem ins Bett steigen’“, ist schlicht falsch. An der Stelle, an der diese fällt, ist erstens klar und deutlich, dass dies eine ironische Bemerkung mit klar satirischem Charakter ist. Bezug genommen wird auf Seitensprünge und One-Night-Stands, wie sie halt oft für Witze herhalten müssen. Adressiert wird an der Stelle, als Überleitung zum nächsten Thema, das Publikum als Ganzes. An der Stelle ging es schlicht gar nicht um eine Verurteilung derer, die diese Beziehungen eingehen und schon gar nicht wird an der Stelle Opfern eine Eigenschuld gegeben, so wie es nun von all den sich hier besonders angegriffen fühlenden dargestellt wird. Dumm ist das, strunzdumm.
Was an der Stelle aber besonders typisch für unsere aktuelle Gesellschaft ist: Eine Aussage, die zu einer Beziehung zwischen Zweien gemacht wird, wie - um Himmels Willen - kann das bitteschön überhaupt nur ein Vorwurf der einen Seite gegenüber sein? Wie hat denn der Mann die Frau an der Stelle näher kennengelernt, ohne dass das für die Frau gilt? - Künstlich wird da gar nichts klein gerechnet. Egal wie man die Zahlen dreht und wendet, ein Pauschalurteil gegen Millionen von Männern, welches an der Stelle von Nuhr kritisiert wird, lässt sich auch mit anderen Zahlen an der Stelle halt eben keineswegs treffen. Die Zahl von 300 bis 350 Morden, wie sie Nuhr nennt, enthält dabei übrigens schon die versuchten. Denn real gibt es insgesamt weniger Morde als das und real sind darunter auch noch überwiegend männliche Opfer. Eine Konzentration auf Femizide ist somit also - umgekehrt - das Gegenteil von Objektivität und Wahrhaftigkeit und wir müssten demnach vielmehr insbesondere die Morde an Männern betrachten. Alleinig nur Femizide hervorzuheben ist an der Stelle somit menschenverachtend, diskriminierend, nicht objektiv und letztendlich zuwider einer Gleichberechtigung.
Hier echauffiert sich Weibsvolk - die selbst gewählte Bezeichnung an der Stelle - unter Missachtung dessen, was wirklich gesagt wurde und was real vorliegt. Es geht hier um Hetze gegen andere, die nicht in deren Blase sind.
So ist es natürlich selbstverständlich, dass in den passenden Gruppen Beiträge, die nicht ins Schema passen, zensiert werden. Ich wollte an verschiedenen Stellen, beispielsweise bei der TAZ, sowie auch bei Reddit auf Beiträge zu Artikeln gegen Dieter Nuhr antworten, die noch einigermaßen neutral waren. Diese loben.
Denkste. Weg sind sie. Nirgends konnte ich das Lob anbringen. Die guten Beiträge sind schneller weg als man gucken kann.
Es kann ja gerne Menschen geben, die so denken, wie oben verlinktes Weibsvolk. Schlimm ist, wenn sie so präsent und dominant in der Medienlandschaft sind. Und das ist aber aktuell eben der Fall. Das Denkmuster besagten Weibsvolks ist überpräsent in unserer aktuellen Medienlandschaft. So sieht es halt aktuell aus. Genau so! Und all die im Kreis der erlauchten, den Teilhabern an der Hexenjagd, die Sodom und Gomorrha schreien, feiern sich ob ihrer Hetze.
Was bleibt, ist genau das, was Nuhr an der Stelle ausspricht:
„Pauschalurteile können noch so doof sein, sie sind akzeptiert, wenn sie sich gegen die richtigen Leute richten.“
Wie gesagt: das, was Nuhr an der Stelle eigentlich kritisiert, die pauschale Verurteilung aller Männer, die wird bei all der Kritik der sich köstlich Echauffierenden von diesen mit keinem Wort erwähnt. Die ist demnach wohl in deren Sinne und so in Ordnung.
Nachtrag vom 206-07-18
Es wird noch lächerlicher. Der Umstand, dass er 2008 mal sagte, dass er als 24-Jähriger Interesse an 20-Jährigen verspürte, soll dafür herhalten, dass er diskreditiert wird.
Leute, eine Beziehung eines 24-Jährigen zu einer 20-Jährigen ist auch nach heutigen Verhältnissen völlig in Ordnung und selbst wenn es um ein Schüler-Lehrer-Verhältnis geht, hätte diese Beziehung unter Erwachsenen[sic!] schlicht keinerlei strafrechtliche Relevanz. Wenn er das in seiner Art als scherzhafte Pointe hernimmt, dass er eben auf Grund dessen kein Lehrer geworden ist, dann ist offensichtlich in dem Fall nicht einmal etwas unmoralisches passiert.
Wer auf dieser Ebene moralische Bedenken oder gar ein strafbewehrtes Handeln suggeriert und dies zum Vorwurf macht, der macht sich an der Stelle lächerlich, wenn nicht gar selber strafrechtlich angreifbar, liebe Ronja Brier der Ströer Publishing Hub GmbH. Denn schließlich ist das eine Falschbehauptung mit dem Ziel, eine bestimmte Person als Ziel zu diskreditieren; hier in dem Fall, dass diese ihren Beruf nicht mehr ausüben darf.