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Wer diskriminiert wen

Im Schwimmbad. Mittags. Bei strahlendem Sonnenschein. An einem der heißesten Tage des Jahres. Locker über 35 °C im Schatten.

Schatten, im Schwimmbad leider Mangelware. Also stellte ich mich an den Rand eines Blockierhandtuches unter einem der wenigen Büsche am Rand des Beckens. Niemand in der Nähe. Da sollte es ja auch niemanden stören.

Sofort schoss so eine Alte aus dem Wasser: „Das ist mein Platz, weg da!“

Etwas verdutzt ob der deutlichen und in dem Moment völlig übertriebenen Ansprache verwies ich darauf, dass genügend Platz für uns beide wäre.

Das ging für sie mal gar nicht. Zusammen mit ihrer Freundin, die noch etwas mehr Zeit benötigte anzurücken und daher gar nicht da war, waren rund 3 Meter Bank und somit der komplette, an der Stelle im Schatten liegende Bereich alleine ihr. Sie sei Schwerbehindert und ich müsse daher auf sie hören. Sie müsse sich anlehnen und benötige daher den gesamten Platz für sich. Unvermittelt hielt sie mir, offensichtlich ist sie darin gut trainiert, ihren Schwerbehindertenausweis unter die Nase. Dabei hatte ich in keinem Moment daran gezweifelt, dass sie behindert ist. Darum ging es auch gar nicht und es hatte bis dahin keinerlei Bedeutung. Ich hatte gar nicht versucht, mich ihr in den Weg zu stellen oder ihr den Platz, den sie wirklich benötigt, streitig zu machen. Es war schlicht genug Platz für beide da.

Nun sollte aber der Ausweis klarstellen, dass sie an der Stelle das Sagen hat, über die normalen Gepflogenheiten und ein friedliches Miteinander, über gleichberechtigte Positionen hinaus, darf sie erweiterte Ansprüche stellen.

Da ging ich halt noch ein Stück auf Seite. Natürlich hat sie sich anschließend nicht angelehnt, was ich natürlich sofort bemerken musste. Den Platz, den sie mit ihrem Sonderrechteausweis zuvor behauptet hat, nutzt sie gar nicht. Sie hatte damit halt schlicht gelogen. Nicht anders als mit dem daraufhin schnell angebrachten Vorwand, sie müsse das Bein hoch legen und benötige daher mehr Platz, was ihr sichtlich Unbehagen und Schwierigkeiten bereitete umzusetzen. Es war so viel Platz da, dass wir uns trotz ihrer Rumfuchtelei kein einziges mal überhaupt auch nur berührt hätten. Das genügte ihr aber nicht.

Weil ich, egal wie sie sich drehte und wendete, doch immer noch irgendwo einen Platz fand, weil sie halt schlicht entgegen ihres ausgesprochenen Anspruchs nicht den gesamten Schattenbereich belegen konnte, war sie sichtlich unzufrieden. Andere kuschen nicht vollends trotz Vorlage ihres Ausweises? Und widersprechen gar noch? Diskriminierung! Sprach sie aus. Was ist das für eine Unverschämtheit von mir, auch einen Teil ihres Schattens abhaben zu wollen und sie auf die Unsinnigkeit ihrer Forderungen auch noch mehrfach anzusprechen. Diskriminierung!!!1einself11! Meine Antwort, dass sie sich ja gerne so fühlen könne, das aber noch lange bedeute, dass dem auch so sei, war natürlich provozierend, aber an der Stelle halt schlicht die Wahrheit. Ein Schwerbehindertenausweis bietet natürlich sinnvolle Sonderrechte, aber eben nicht über jedes Maß hinaus. So würde ich es als absolut selbstverständlich ansehen, einer Gehbehinderten Person, die schlecht stehen kann, meinen Sitzplatz anzubieten, wenn daran Mangel herrscht. Aber ich sehe es nicht ein, verschwinden zu müssen, wenn eine derart aggressive Person wie diese Tussi noch 2-3 Plätze über ihren Bedarf hinaus für sich beanspruchen will.

Sofort echauffierte sie sich derbe. Jetzt musste Unterstützung, Durchsetzungsgewalt her. Sie ging schnurstracks auf den Sicherheitsdienst des Bades zu und verlangte von diesem, wieder unter Zuhilfenahme des die Forderung unterstützenden Ausweises, ich sei umgehend zu entfernen. Ganz weg. Viel weiter weg. Laut machte sie dabei deutlich, ich würde sie diskriminieren. Der Sicherheitsdienst sah sich daraufhin tatsächlich genötigt, dem nachzukommen. Was soll er auch anderes machen? Diskriminierungsvorwurf einer Schwerbehinderten mit einer entsprechenden Ausweisung von Sonderrechten? Der Gefahr, bei kleinstem Widerspruch selber Ziel zu werden? Da bedarf es keinerlei Klärung der Lage oder Belege oder überhaupt irgend etwas. Der Vorwurf alleine ist völlig ausreichend! Ein entsprechendes Handeln obligatorisch.

Ich war in dem Moment eh auf’m Sprung, weil das von mir an der Stelle beaufsichtigte Kind woanders schwimmen wollte. Die übrigens augenscheinlich muslimisch-männliche Sicherheitskraft, die vermutlich eher zum Zweck einer Deeskalation im Falle von Streit unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund dort angestellt sein dürfte, war sichtlich überfordert mit der Situation und sichtlich froh, dass sich die Situation von alleine löste. Wir haben noch (im Gegensatz zu der Tussi ziemlich aufregungslos) ein paar Worte gewechselt. Friedlich.

Besagte Tussi bewies anschließend natürlich noch, dass es ihr sowieso um nichts anderes als Machtausübung ging. Denn kaum war ich weg, war sie es auch wieder. Um den eigenen Platzbedarf ging es ihr gar nicht. Überhaupt nicht. Der Platz war anschließend wieder völlig frei. Pures Verlangen zur Machtausübung war das. Nichts anderes.

Leute. Wer hat denn hier nun wen diskriminiert? Dreht die Welt hier völlig am Rad? Die Geschichte wäre längst vergessen, wenn der Vorwurf, der hier im Raum stand, nicht real so völlig verdreht wäre. Denn wer hat hier nun wirklich diskriminiert?

Da verlangt eine Person P, die zu einer Gruppe G gehört, welche sie an der Stelle mit höheren Rechten ausstattet, dass eine andere Person A mit fehlender Gruppenzugehörigkeit und daher fehlender Privilegien, aus ihrer Nähe zu entfernen sei, weil ihr die Anwesenheit der anderen Person nicht gefällt und der mit entsprechender Durchsetzungsgewalt ausgestattete Sicherheitsdienst muss dem Privilegiertenrecht nachkommen, den Wunsch der privilegierten, an der Stelle mit mehr Rechten ausgestatteten Person durchsetzen und bei der Unterdrückung der weniger berechtigten Person helfen.

Setze für P einen Weißen ein und für G Arier und A einen Dunkelhäutigen. Schon ist klar, und zwar verdammt deutlich, dass P Täter ist und das Opfer A hier diskriminiert wird. Setze dagegen, wie hier im Fall, für P eine Frau ein und für G Behinderung und für A eine ganz normale, am besten noch männliche Person und schon sieht die gleiche Situation plötzlich ganz anders aus. In dem Fall darf P beliebige Forderungen über den eigenen Bedarf hinaus stellen und sogar behaupten, selber noch diskriminiert zu werden, wenn A dem nicht umgehend und widerspruchslos nachkommt.

So wollen es offensichtlich einige. Bis zum Ende war und ist diese Tussi sicherlich auch jetzt noch davon überzeugt, dass sie völlig im Recht ist und es gibt sicherlich jede Menge Menschen, die ihr dabei auch noch Recht geben.

Verrückt.