Zu weit rechts
Ich stolper gerade über einen Artikel des Tagesspiegel zum Westend Verlag. Darin geht es insbesondere um die Veröffentlichung des Buches Links - Deutsch / Deutsch - Links von Pauline Voss und Julian Reichelt. Die Buchautoren behandeln darin Themen wie bspw. dass „das linke Establishment Sprache instrumentalisiert”.
32 Autoren verlasen laut Tagesspiegel nun den Verlag, weil sich ihnen dieser zu sehr „hin zur extremen Rechten“ gewandt hat. Zu rechtsextrem also. Offensichtlich fühlt man sich da doch stark betroffen.
Wundern tut die Keule eher nicht, die sogleich ausgepackt wird. Denn wo kämen wir da hin, wenn Andere andere Meinungen haben dürften.
Wer alles so weit auf der linken Seite steht, dass er sich dermaßen angegriffen fühlt, verwundert eher nicht. Explizit benannt werden u.a. Gregor Gysi, Ulrike Herrmann und Andrea Ypsilanti. Alles doch eher ziemlich linke Persönlichkeiten. Ich frag mich, wer sich da sonst noch so alles unter den 32 Autoren befindet, die hier so offensichtlich stark betroffen sind. Schade, der Tagesspiegel hat die Liste nicht in Gänze veröffentlicht. Im Netz finden sich jedoch Aussagen, dass es wohl so einige Autoren sind, mit denen der Verlag eh schon „seit langer Zeit keine gemeinsamen Projekte mehr realisiert“ hat. Diese und weitere Reaktionen des Verlages finden sich u.a. auf den NachDenkSeiten - aber das ist glaube auch so ein Medium, das man als Linker nicht beachten darf, oder? Vor allem sollen es wohl auch Autor*:Innen der taz sein, die auf der List wohl gut vertreten sind. Was auch wiederum alles andere als verwundern dürfte. Passt.
Ich sollte wohl mal einen tieferen Blick in das Buch werfen. Scheint ja durchaus lesenswert zu sein. Mich würde schon irgendwie interessieren, ob es wirklich rechtes Gedankengut vermittelt oder – wieder einmal – einfach nicht linksradikal genug ist oder gar Kritik an Linken übt, so dass aus dieser Richtung direkt die Behauptung kommt: alles rechts.
Immerhin werden im Tagesspiegel gleich auch noch weitere Buchtipps unter den Spiegel-Bestsellern genannt, wie bspw. „Krieg oder Frieden. Deutschland vor der Entscheidung“ und „Putin. Herr des Geschehens“. Offensichtlich auch lesenswert, diese Bestseller. Nicht wahr?
Oder ist das so gar nicht vom Tagesspiegel gemeint? Sollte man dem Spiegel mal stecken, dass sie da rechtes Gedankengut aufwerten? Es gibt ja noch mehr Spiegel-Bestseller im Westend Verlag, die der Tagesspiegel nicht nennt, wie bspw. “Woke - Psychologie eines Kulturkampfes”, von Esther Bockwyt. Der Titel deutet ja auch schon an, dass es ein rechtes Buch sein muss, nicht wahr? Ist vielleicht der Spiegel das eigentlich rechte Medium, das dahinter steckt, wenn die solche Bücher in ihren Bestsellerlisten führen? Ah, ne, Fehler erkannt, Bücher gebannt. Die Spiegel-Bestseller sind nicht mehr im Shop des Spiegel gelistet. Alles gut.
Die Welt kann so einfach sein, wenn man sich auf die verlässt, die so etwas machen. Zensiert, weg damit, alles wieder gut.
Alle anderen sollten mal genauer hinschauen, nicht weg sehen und vor allem nicht alles unhinterfragt glauben, was eine der politischen Seiten etwas dermaßen vehement behauptet.
Das gilt übrigens für beide Seiten!