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Tesla FSD

Nach dem großen Hype kommt ja oftmals der Anti-Hype. So wurde Tesla in der deutschen Tech-Szene erst groß gehypt. Als sie angefangen haben Elektroautos herzustellen, waren diese teils von extrem schlechter Qualität; mit Mängeln, die man etablierten Autoherstellern nicht durchgehen lassen würde.

Aber Tesla war neu am Markt, mit einem ganz neuen Konzept: Elektroautos in großen Stil. Umweltfreundlich. Spätestens mit dem Model 3 und noch mehr später mit dem Model Y sind es Elektroautos für die Massen. Das sprach viele an. Der Hype war groß und der Ruf trotz aller Mängel recht gut. Selbst dass viele Versprechungen erst nur heiße Luft waren und deren Umsetzung teils viele Jahre länger benötigten als ursprünglich angekündigt, das wurde ihnen anstandslos abgenommen.

Es war klar, dass es entsprechende Mängel gab. Insbesondere denen, die sich näher mit den Autos beschäftigt haben. Also insbesondere Käufern war das klar. Das kann man schlicht nicht leugnen. Denn wohl kein Mensch kauft ein Auto für 40.000 € und mehr, ohne sich vorher damit zu beschäftigen. Es gibt seit Beginn an eine sehr aktive Youtuber-Szene, die alles mögliche auf Video festhält und frei zur Verfügung stellt, große und bekannte Internetforen, in denen alles mögliche diskutiert wird und ein Probefahrtenprogramm, so dass jeder Interessent auf sehr einfach Weise sich im Vorfeld von der Qualität und sonstigen Eigenschaften des Fahrzeuges überzeugen kann.

Nun Bauen sie seit vielen Jahren erstklassige Autos. Die Qualität ist stark gestiegen. Einen Großteil der früheren Mängel gibt es nicht mehr. Selbst das Sound Design, seit Jahrzehnten fester Bestandteil der etablierten Autoentwickler abseits Teslas und einer der Mängel selbst noch bei der millionenfach verkauften, ersten Generation Model Y, wurde zwischenzeitlich angegangen. So fallen Türen im aktuellen Model Y der zweiten Generation (Juniper) mit viel satterem Klang ins Schloss als noch beim Vorgänger.

Viele der früheren Versprechungen wurden eingelöst. Allem voran Verbesserungen der rein kamerabasierten Systeme auf Grund eingesparter Sensoren, wie bspw. Regenerkennung für automatische Scheibenwischer oder die rein kamerabasierte Einparkhilfe bspw. beim Rückwärtsfahren, usw.; das funktionierte, als viele ihren Tesla gekauft haben, echt schlecht, wurde zwischenzeitlich nachgeliefert. Selbst Dinge wie Matrix-Scheinwerfer funktionierten für den überwiegenden Teil der Autos noch nicht, als sie gekauft wurden und selbst solche Dinge wurden nachgeliefert. Funktioniert heute gut.

Dennoch hat sich der Hype komplett ins Gegenteilige verkehrt. Ausgerechnet jetzt, da immer mehr gut funktioniert, hebt man Mängel und falsche Versprechungen hervor. Wie lässt sich das erklären?

Mit Politik.

Die Meinung über die Galionsfigur Musk hat sich gewandelt. Früher angesehenes Idol, hat er für viele mit seinen politischen Äußerungen verschissen. Nicht die Qualität der Autos ist hier entscheidend, sondern der Personenkult um diese eine Person.

Und so sind es nun die selben Leute, die Mängel damals heruntergespielt haben, die heute teils gar Mängel erfinden, wo gar keine sind.

Ein paar Fakten:

  1. Kein Käufer eines Teslas hat je gedacht, dass sein Auto sicher und selbstständig vollautonom fahren kann.
  2. Die Bezeichnung Autopilot kann nie einen Käufer getäuscht haben.
  3. Auch mit FSD hat Tesla nie einen echten Käufer getäuscht.
  4. Dass Zeitangaben von Versprechungen von Musk mit Vorsicht zu genießen sind, war allgemein von Vornherein immer klar.
  5. Kamerabasiertes vollautonomes Fahren funktioniert tatsächlich.

Zu den Gründen:

  1. Das System warnt (und hat es auch schon immer) vor Aktivierung des Autopiloten und weiterer Assistenzsysteme immer ausdrücklich davor, dass der Fahrer weiterhin aufmerksam den Verkehr verfolgen muss und hierfür verantwortlich ist. Alle Unfälle, die passiert sind, weil Fahrer abgelenkt waren oder sogar eingeschlafen sind, sind absolut eindeutig den jeweiligen Fahrern zuzuschreiben. Hierzu müssen verschiedene Erkennungssysteme, die bei Unaufmerksamkeit des Fahrers innerhalb von Sekunden dessen Übernahme verlangen, umgangen werden.
  2. Die Bezeichnung Autopilot war nie irreführend. Es war von Anfang an nicht mehr als bspw. ein Autopilot im Luftverkehr: Etwas, das einem vorgegebenen Kurs folgt. So wie der Autopilot im Luftverkehr gerade mal Himmelsrichtung und Höhe halten kann, folgt Teslas Autopilot einer Straße ohne ausgefeilte und fehlerfreie Hinderniserkennung. Das steht so in der Produktbeschreibung und war und ist jedem Käufer schon vor Kauf klar. Und um genau diese geht es und nicht darum, ob jemand, der noch nie von Tesla gehört hat, geschweige denn mal in einem gesessen hat oder ernsthaft über einen Kauf nachdenkt, sich eventuell vielleicht anhand des Wortes etwas anderes vorstellen könnte.
  3. Mit FSD bezeichnet Tesla die Zukunftsvision ihres Systems zum vollautonomen Fahren, bei dem von Vornerein jedem potentiellen Käufer klargemacht wurde, was das System zum jeweils aktuellen Zustand kann oder eben nicht kann. Vor Kauf und vor jeder Aktivierung wird klargestellt, dass das System ständig überwacht werden muss und eben nicht unüberwacht vollautonom fahren darf. Im englischsprachigen Raum wurde dies schon alleine im Namen “FSD Beta” verdeutlicht und gerade im deutschsprachigen Raum noch etwas deutlicher durch den Namen “volles Potential für autonomes Fahren”. Mittlerweile heißt es FSD Supervised, denn es ist keine Beta mehr, es funktioniert. Dabei muss es weiter ständig überwacht werden, was das System auch klar und deutlich vermittelt.
  4. Schon vor dem großen Hype um Tesla, also schon zu Beginn der Elektroautorevolution, war Elon Musk eine schillernde Persönlichkeit, die oftmals mehr geträumt hat als sich an die aktuell vorliegenden Realitäten zu halten. Das hat überhaupt erst zu Entwicklungen geführt, die zuvor jeder für unmöglich gehalten hat. Nur so konnte der Erfolg doch überhaupt entstehen. Schon Multimillionär vor Tesla ging er für seine großen Visionen bei Tesla und SpaceX annähernd pleite. Ein Visionär halt. Das war klar, schon vor Existenz Teslas, mindestens aber vor irgend einem Erfolg dieser beiden Unternehmen. Es ist keine Überraschung, von der man erst nach dem Kauf eines Teslas erfahren hat.

Daher erstaunt mich, wie viele nun gerade in der Tech-Szene Unwahrheiten hierüber verbreiten. Offensichtlich politisch motiviert.

Das führt zu fünftens: So fällt es leicht, nun anhand Papierlage zu behaupten, die Fahrassistenzsysteme von BMW oder Mercedes wären besser, weil diese das “SAE Level 3” Label tragen und Tesla ja nur “SAE Level 2”. Wer schon einmal in beiden Systemen gefahren ist, weiß jedoch, dass die Systeme Welten trennen - und zwar zu Gunsten Teslas. Ein moderner Tesla - aktuell also nur die neueste Generation und viele Millionen ältere Fahrzeuge nicht und das auch nur in Ländern, in denen es schon freigegenen ist, also nicht in Deutschland - so ein moderner Tesla mit aktivem FSD Supervised kann vollständig autonom von einem Startpunkt A bis zu einem Zielpunkt Z fahren. Über alle Verkehrssituationen hinweg. Er fährt autonom und regulär ohne Nutzereingriff selbst auf Parkplätzen oder über Abschnitte ohne markierte Straße hinweg und reagiert auf Personen, die unvermittelt über die Straße laufen sogar schon bevor diese das aktiv tun oder beachtet Gegenverkehr auf zugeparkten, engen Straßen, bspw. indem in Lücken zwischen den Parkenden ausgewichen wird. Das auch nachts, bei Regen oder gar Schnee - vom Start bis zum Ende ohne eine einzige Interaktion. Trotz level 2 ist das System den Level-3-Systemen weit überlegen, die aktuell bei BMW und Mercedes gerade mal unter sehr engen Rahmenbedingungen fahren können.

So sehr ich hoffe, dass BMW, Mercedes und auch Volkswagen als einer der größten deutschen Arbeitgeber hier Anschluss an die Weltspitze finden: Dass das eine den Stempel Level 3 und das andere nur Level 2 trägt, ist eher zulassungsbedingt und kein echtes Qualitätsmerkmal. In den stark beschränkten und simplen Verkehrssituationen, in denen es heute Level-3-Zulassungen gibt, wird wohl auch das System von Tesla problemlos funktionieren.

Unbeliebt ist Tesla somit nicht wegen schlechter Qualität oder falscher Versprechungen. Das gab es alles schon vor dem großen Hype und erst Recht vor dem großen Anti-Hype – früher mehr als heute bzw heute weniger denn je. Verrufen werden Sie wegen des Personenkultes um Musk. Dieser hat den Fehler gemacht und sich politisch engagiert. Nicht nur in den USA und allgemein weltweit, sondern ganz besonders in Deutschland, weil er sich positiv zu einer Partei geäußert hat, die hierzulande als rechts oder gar rechtsradikal verschrien wird. Wie kann man nur den Fehler machen und positive Aspekte einer Partei ansprechen, die durch eine Brandmauer von den anderen Parteien abgeschottet ist und an der somit aus Prinzip keinerlei positive Aspekte ausgemacht werden dürfen? Dieser Fehler kostet Musk Sympathie und Tesla klar und deutlich Zulassungszahlen.

Dass Tesla dies nun mit dem wohl größten Milliardengeschenk belohnt, das je einer Einzelperson zugekommen ist, statt Musk für Verluste verantwortlich zu machen, treibt den Anti-Hype noch weiter an.

Technisch spricht dagegen aktuell immer weniger gegen Tesla. Sie haben viele von Musks Versprechungen letztendlich doch eingehalten. Die größten Probleme vorheriger Modelle sind in den aktuellen Modellen behoben. Hierbei wurde auch insbesondere auf Rückmeldungen von Kunden eingegangen. Meine Persönliche Liste an Problemen des Model Y aus Erfahrungen mit der ersten Generation des Autos war ziemlich lang und bis auf einen einzigen Punkte wurde jeder der vielen Punkte entweder schon im alten Modell (Software) oder dann im aktuellen Modell (Hardware) behoben oder zumindest deutlich verbessert. Teslas Entwicklung ist somit sehr positiv und wird alleine durch den Personenkult um Musk negativ beeinflusst.