Arsch auf Grundeis
Man kann auch an lange bestehendem und für viele als grundlegendem Allgemeinwissen feststehendem zweifeln, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben. Zweifel muss immer möglich sein, denn man weiß nie, wie altes Wissen entstanden ist und auf welcher Basis dieses beruht.
Der Mensch kann, und er tut das regelmäßig, irren.
Insbesondere Meinungen ändern sich, denn diese beruht oftmals mehr auf subjektivem Gefühl als objektiven Daten. Nichts ändert sich schneller als Meinungen.
Aber auch Wissenschaft ist nicht fest und wandelt sich im Laufe der Zeit, weil neue Erkenntnisse alte Fehlannahmen aufdecken.
Der Mensch irrt und das ist völlig normal.
Aus Glaube an Irrtümer können dabei natürlich fatale Folgen entstehen.
Man denke beispielsweise an Hexenverfolgung. Für was man alles verbrannt werden konnte. Oder aufgehängt. Oder… naja… der Mensch kennt viele Möglichkeiten, andere Menschen umzubringen.
Dies zeigt sehr gut, dass ganze gesellschaftliche Grundlagen falsch sein können. Vor allem aber, wie gut man eine Meute von etwas überzeugen kann. Sie zeigt, wie einfach man mit Angst vor etwas liebevolle, gefühlvolle und wirklich gut meinende Menschen zu irrationalen Handlungen gar bis hin zum Mord an anderen Menschen veranlassen kann. Verbrennt die Hexe! Das war so, ist so und wird wohl auch immer so sein.
Vor allem ein drohender Weltuntergang war dabei schon immer wirksam. Ganze Religionen setzen darauf. Denn Menschen können für ein Versprechen nach dem Tod locker ihr Hab und Gut abgeben und das lässt sich als jemand, der dieses ohne viel Arbeit erhalten will, echt praktisch ausnutzen. Das hat mit Rationalität nichts zu tun. Nichts ist daher besser als eine Religion zu gründen.
Das macht auch vor dem Jetzt keinen Halt. Die generelle Intelligenz des Menschen, seine Auffassungsgabe, seine Instinkte, sind seit tausenden Jahren kaum verändert. Auch heute können daher, nicht anders als damals, irrationale Gefühle eine rein rationalen Auffassung verdrängen. Allein der Glaube daran – haha, siehe oben – sagt dem ein oder anderen: das kann nicht sein, dass ich an der Stelle Glaube und nicht rational denke. Was nicht sein darf, das kann halt einfach nicht sein und so ist natürlich klar, dass man nicht irgendeinem irrationalen Glauben unterliegt, sondern das, an das man glaubt, einen Sinn hat. Das geht gar nicht anders.
So können natürlich auch allgemeine Grundlagen und Wissen mit weit verbreitetem Konsens dennoch auf Fehlern beruhen. Wie gesagt, insbesondere mit Weltuntergangszenarien lässt sich das recht einfach erreichen.
In letzter Zeit wird mir das immer deutlicher, da ich erkenne, dass in der Tat so manch weit akzeptierter Fakt gar kein Fakt ist. Wenn man manches, das allgemeiner Konsens ist, mal wirklich nachschlägt, nachforscht, nachrechnet, kann man durchaus zu anderem Ergebnis kommen als die allgemeine Ansicht in der Gesellschaft es widerspiegelt.
Tut man nun solcherlei Kenntnisse kund, ist es mir nun schon mehrfach passiert, dass mir alles andere als Neugierde entgegen schlägt. Vielmehr pure Abneigung und klares Nichtwissenwollen. Pures Unverständnis.
Im Mittelalter hätte man gesagt: Sie ist des Teufels. Verbrennt die Hexe!
Tja. Meinung überdeckt halt Wissenschaft.
Warum sollte es heute anders sein als früher, als man noch ganz offen Hexen verfolgt und verbrannt hat?
Wer anders denkt und Allgemeinwissen anzweifelt, das nicht angezweifelt werden darf, weil doch klar ist, dass dem so ist, der ist des Teufels. So einfach ist das halt.
Noch viel bezeichnender, und für mich tatsächlich sehr nachdenklich stimmend, ist dabei aber folgender Umstand: mir wurde jetzt schon mehrfach als Reaktion darauf, dass ich Dinge recherchiert habe und selber ohne externen Druck Dinge herausgefunden und über dies geredet habe — Dinge, die für mich an der Stelle so rein gar nichts mit einer politischen Richtung zu tun hatten – vorgeworfen, irgendwelche narrative der AfD wiederzugeben.
Was soll mir das sagen?
Mir gefällt insgesamt nicht wirklich, wofür die AfD steht und wofür sie gerade bundespolitisch vornehmlich Werbung machen. Aber offensichtlich sind sie dann wohl aktuell doch die einzigen, die an der Stelle vernünftig sind.
Das ist wirklich erschreckend, für jemanden, der in seinem Leben bisher vornehmlich Anhänger sozialdemokratischer, linker und grüner Politik ist.
Aber das hat ja schon ganz andere getroffen.
Warum nun sind es ausgerechnet die AfD, die hier sinnvolleres vertreten? Ausgerechnet die, denen man doch eher dumme Parolen, Symbolpolitik und Populismus nachsagt?
Nicht wundern
Eigentlich verwundert das wenig. In einer Welt, in der für alle anderen gilt, alles, was von der AfD kommt, kategorisch ablehnen zu müssen (beispielsweise durch die sogenannte Brandmauer), genießt so eine Partei doch zwangsläufig absolute Narrenfreiheit. Wenn alle anderen grundsätzlich ablehnen müssen, was die AfD vertritt, können diese sinnvolle Handlungen recht einfach auf sich beschränken.
Ich gebe jedem den Tipp, sich mal mit den Anträgen der AfD im Bundestag zu beschäftigen. Da mag vieles darunter sein, dessen Ablehnung schon auf den ersten Blick sinnvoll erscheint. Aber kategorisch alles? Einfach mal selber einen Blick drauf werfen.
Es muss offensichtlich erst einen Riesen-Knall geben, bevor die Menschen wieder vernünftig werden. Überhaupt vernünftig werden können.
So lang grundsätzlich alles, was von dieser Partei kommt, so dermaßen kategorisch abgelehnt werden muss, kann es keine vernünftige Politik geben. Daran können alle anderen nur scheitern. Das geht doch gar nicht anders, wenn man das durchhalten will!?
Die letzte Regierung ist schon vor Ende ihres natürlichen Endes daran zerbrochen, die aktuelle wird es genauso. Erst wenn alles zu Asche verbrannt ist, kann hieraus ein Phoenix auferstehen.
Das heißt, und das muss man sich an der Stelle bewusst machen: Entweder muss die AfD wirklich an die Macht kommen („muss“ an der Stelle im Sinne „als logische Konsequenz“!) oder sie muss zuvor zerlegt werden.
Eins von beidem ist an der Stelle notwendig, damit sich an der Politik aller anderen etwas ändern kann und somit wieder etwas mehr Vernunft einkehrt und wieder vernünftige Politik gemacht werden kann, die nicht nur aus „alle gegen einen“ besteht. Und sei es auch schlicht, weil das eine aus dem anderen folgen dürfte: Kommt die AfD an die Macht, wird sie sich doch vermutlich eh selbst zerlegen.
Besser wäre jedoch, es nicht so weit kommen zu lassen. Und so hoffe ich darauf, dass die AfD verboten wird. Ohne großen Knall. Aber das eben auch nur, wenn es dafür rechtlich wasserfeste Gründe gibt und eben nichts vorgeschobenes!
Eine Chance für die vernunftgetriebenen Teile (aller Parteien!), sich von den populistisch-ideologisch getriebenen (aller Parteien!) zu trennen und endlich wieder insgesamt vernünftige Politik zu machen. Egal ob in einer neuen oder einer der alten Parteien: Das fehlt Deutschland die letzten Jahre.
Kommt kein Verbot und die AfD bleibt bestehen, wie sie ist und alle anderen behalten ihre Linien bei, dann wird der AfD eben (und zwar genau so wie sie ist!) durch das von allen anderen so angestrebte Ziel alles – wirklich einfach alles – anders zu machen als die AfD, dieser die absolute Deutungshoheit überlassen. Wenn die vernünftigen austicken und am Rad drehen, dann bleiben halt nur die unvernünftigen über.
Egal was dann passiert, Schuld haben damit dann alle(!), die schlicht nicht anders können und die Menschen in diese Richtung treiben.
Gefahr für Demokratie
Apropos Demokratie. Konsens aller anderen: Die AfD ist eine Gefahr für unsere Demokratie. Soweit sind sich alle anderen einig. Was an der Stelle verkannt wird: nicht aber weil die AfD nicht demokratisch wäre – tatsächlich ist sie aktuell wohl durchaus die überhaupt demokratischste Partei in Deutschland; sie ist, mehr oder weniger entgegen aller anderen Parteien, nicht zentralorganisatorisch-hierarchisch mit einer einheitlichen Parteilinie aufgebaut, die zu vertreten ist, sondern enthält unterschiedlichste Strömungen – sondern weil aus Angst vor eben dieser alle anderen an unserer Demokratie rütteln!
Wieder etwas mehr Demokratie wäre toll. Denn die AfD sind mittlerweile doch die einzigen Demokraten. Alle anderen Klüngeln und unterwandern demokratische Regeln, weil ihnen der Arsch auf Grundeis geht.
Wenn nichts, wirklich gar nichts, was die AfD beantragt, angenommen werden darf und grundsätzlich alles, was diese Partei, die nun einmal einen wirklich beträchtlichen Teil der Bevölkerung repräsentiert, angenommen werden darf, dann ist das der Versuch, einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung mundtot zu machen und absolut undemokratisch.
Nicht weniger undemokratisch ist die Stimmen der Wähler durch Verbote mundtot machen zu wollen.
Genau das machen gerade alle anderen Parteien. Genau diese sind damit undemokratisch.
Wenn Grüne, Linke und AfD mehr Macht und politische Deutungshoheit für einzelne Ämter fordern, in Politik einzugreifen, wie es das seit dem Dritten Reich nicht mehr gegeben hat und abseits von Wahlen und Stimmanteilen ein Verbotsantrag nach dem anderen anstreben, hat das mit Demokratie recht wenig zu tun
So nach dem Motto: „Wir müssen anderen Wählern das Stimmrecht entziehen, verbieten zu wählen was diese wählen, weil diese einfach falsch wählen“.
Eine Farce.
Der Glaube, die Leute so für dumm verkaufen zu können, sitzt tief. Und so hält man daran fest.
Halten die die Leute wirklich für so blöd?
Für mich ist es damit jedenfalls absolut logisch und sinnvoll, wenn eben diese Teile der Bevölkerung, die auf die Art bewusst ausgeschlossen werden, sich um so mehr radikalisieren. Denn das ist ja dann überhaupt die einzige Chance, auch nur irgendwie Gehör zu finden.
Und zwar, entgegen der Bestrebungen aller anderen, letztendlich eine demokratische Möglichkeit.
Wenn das nun allen anderen nicht schmeckt, sind diese nun wahrlich selbst schuld.