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Männerfreundschaften

Zu Die Männlichkeits­krise ist ein Fehlschluss

Männer haben auch Gefühle? Männerfreundschaften können tiefgreifend sein?

Um für die Beantwortung dieser Frage mehrere Jahrzehnte Forschungstätigkeit zu benötigen, darf man wahrlich nicht aus der adressierten Zielgruppe sein und keinerlei persönlichen Bezug zu der Thematik haben. Für alle andere ist das eine bloße Selbstverständlichkeit. Nichts ist tiefgreifender als eine feste Freundschaft und das auch gerne schon ab Kindes- oder Jugendalter - völlig ungeachtet des Geschlechtes.

Dass ein Artikel, der dies als neue Erkenntnis aus tiefgreifender Forschung vorstellt und dann auch noch mit einen so dermaßen übertriebenen geschlechtlichen Bezug daher kommt, einen feministischen Hintergrund hat, verwundert gar nicht. Dazu muss man erst gar nicht bis zur passenden Stelle lesen, an der aufgeklärt wird, dass dem tatsächlich so ist.

Und dass das Fazit, das gezogen wird, dann letztendlich gar nichts mit der angeblich so neu gewonnen Erkenntnis zu tun hat, sondern nur dem Zweck dient, feministische Ansichten ungeachtet der zuvor getroffenen Erkenntnisse weiterhin hervorzuheben, verwundert dann wiederum auch nicht.

Sinnbildlich dazu auch noch der Kommentarbereich, der durch den Filter (nur Abonnenten dürfen beitragen) Rückschlüsse auf das Publikum zulässt. Insbesondere auch hier scheint ziemlich unbekannt zu sein, dass die im Artikel ausgedrückte Erkenntnis in weiten Teilen der Bevölkerung völlig ungeachtet des Geschlechtes (und damit insb. eben auch unter Männern, die als normale Jungs aufgewachsen sind) zum ganz normalem Lebensinhalt gehört. Das Publikum lebt in einer entsprechenden Blase, die sich davon ausgrenzt.

Ungeachtet natürlich ganz typischer handwerklichen Fehler, die sich im Artikel widerspiegeln. Beispielsweise, dass man von Autoren, die sich als Feministinnen verstehen, schlecht erwarten kann, bei einem Thema, bei dem das Geschlecht eigentlich nur eine Nebenrolle spielt, dies auch genau so zu erkennen. So muss es eine “tiefe gleich­geschlechtliche Freundschaft” sein und kann nicht einfach nur eine “tiefe Freundschaft” sein. Denn natürlich kann es genauso gut eine platonische Freundschaft zwischen verschiedenen Geschlechtern sein, die Menschen eingehen können - auch im Alter von 12 bis 15 Jahren. Dass das überhaupt Thema von Forschung und Lehre sein muss, finde ich deutlich verwerflicher als das Ergebnis des Artikels an sich. Mich würde an der Stelle stark interessieren, wer diese “anderen” sind, denen in einem Absatz des Artikels besagte neutralisierte Interview­skripte gezeigt wurden und die bei gefühlsbetonten Antworten an Mädchen dachten. Wundern würde es mich nicht, wenn diese vorwiegend NICHT aus genau der Gruppe stammen, die an der Stelle adressiert wurden: eben Jungs in dem Alter oder Männer, die mal ganz normale Jungs waren. Leute, die sich bewusst sind, dass ihr (damaliges) Verhalten völlig normal ist und nicht der Meinung sind, sie seien anders, nur weil sie so denken, wie sie denken. Und DAS wiederum ist der eigentliche Skandal an der Stelle: Leute, die meinen, das wäre etwas besonderes. Das ist es schlicht nicht.

Auch wiederum passend und sinnbildlich und völlig typisch für diese Art Feminismus, dass hier wirklich gemeint wird, dass das Männliche ganz üblich als das eigentliche Menschliche angesehen würde und das falsch wäre, mithin also, dass man hier etwas ändern müsse. Dem ist nicht so. Man muss da also gar nichts ändern. Denn wenn man etwas ändert, auf Grund einer dermaßen falschen Prämisse, dann führt das zu genau gegenteiliger Ungerechtigkeit als der, die man meint zu bekämpfen. Das wohl generell aktuell größte Problem des aktuellen Feminismus.

Fassend dazu auch im Fazit, dass man mit mehr Männern in der Bildung riskiert, mehr Rücksichtslosigkeit zu fördern. Unsinn. Nicht mehr als eine feministische Sicht, aber bestimmt nicht real außerhalb deren Blase. Das nicht überraschende an der Stelle ist nicht, dass dem so ist, denn dem ist ja real eben gar nicht so, sondern dass eine Person in einer entsprechenden Blase denkt, es wäre so. DAS ist tatsächlich nicht überraschend.

Danke daher an der Stelle für diesen Artikel, der zeigt, wie manche Menschen ticken und wie unbekannt für ganze Bevölkerungsteile doch solche Selbstverständlichkeiten, wie dass auch Männer Gefühle haben und tiefgreifende Freundschaften eingehen können, sind. Das zeigt, woher es herrühren kann, dass so viele ein Problem haben, das andere, für die Gefühle nichts Besonderes sind und für die Männlichkeit nicht automatisch etwas toxisches hat, nicht nachvollziehen können. Dass es hier Aufklärung bedarf. Aufklärung denen gebenüber, die meinen, sie wären etwas Besonderes, weil sie Gefühle haben und nicht toxisch sind. Aufklärung denen gegenüber, die Männlichkeit mit toxischen Verhalten gleichsetzen. Aufklärung damit beispielsweise insbesondere auch denen gegenüber, die dem Irrtum unterliegen, sie seien weiblich, trotz männlicher Geschlechtsorgane, weil sie meinen, “wie ein Mädchen” zu denken. Sie stecken nicht im falschen Körper, sie haben schlicht ein völlig falsches Bild von Männlichkeit.