Meisterpflicht für PCs
Meisterpflicht für PCs – JETZT
Zulassungspflichtige Gewerbe und Meisterpflicht, wir haben sie allenthalben. Man darf zuhause weder an der eigenen Elektroinstallation, noch Wasserversorgung, noch Gas, noch irgend etwas ähnlichem selber tätig werden. Aber der PC, der darf von jedem eigenständig zur Spamschleuder verwandelt werden.
Weder kann der typische 08/15-Anwender einen PC besser selber pflegen als seine Elektro- oder Wasserinstallation, noch sind die Folgen einer schlecht durchgeführten und unsauber gewarteten IT weniger folgenreich. Tausende bis Millionen unbedarfte Heim-PCs beteiligen sich an Botnetzen und greifen kritische Infrastruktur an. Menschen sterben, wegen schlecht gewarteter Heim-PC-Systeme.
Die Lösung liegt doch auf der Hand: Informatik und insbesondere der einfache Computerservice als zulassungspflichtiges Gewerbe mit Meisterpflicht ist längst überfällig. Mehr Regeln, mehr Vorschriften. Arbeiten darf nur, wer Meistertitel hat oder einem Unternehmen arbeitet, welche diese zur Verfügung stellt.
So hat man derlei Probleme doch schon immer gelöst.
Wieso wir das nicht schon jetzt haben? Weil das Thema zu jung ist und hier noch keine Lobbyorganisation aktiv war. Das ist der wichtigste, wenn nicht gar der einzig relevante Grund.
Klar ist: Wenn es das Internet schon so lange gäbe, so wie es fließend Wasser, Gas und Strom im Haus gibt, dann hätten wir auch in der IT längst eine Meisterpflicht. Mit absoluter Sicherheit. Der administrative Zugang am PC wäre an dieser Stelle Servicekräften mit entsprechender Ausbildung vorbehalten. Der Nutzer ist Nutzer, kein Administrator. Ist er auch weder bei seiner Heizungsanlage, nicht beim Auto, genauso wenig wie bei seiner heimischen Infrastruktur für Wasser, Gas und Strom. Änderungen dürfen hier nur teure, zugelassene Leistungserbringer durchführen. Der Wartungsvertrag für die eigenen PC-Systeme, sei es der Stand-PC, der Laptop oder auch Spiele-PC, wären üblich und genauso obligatorisch wie der für die eigene Heizungsanlage. Wie selbstverständlich.
Genau das gäbe es und genau das wäre für die heimischen PC-Systeme, mit Blick auf all die anderen zulassungspflichtigen Gewerbe mit Meisterpflicht, durchaus sinnvoll. Es würde zwar einen ganz neuen Gewerbezweig begründen und letztendlich eine enorme Menge mehr an Geld umgesetzt werden müssen, aber den Zustand der heimischen IT würde es zweifelsohne verbessern. Es würde voraussichtlich deutlich weniger heimische PC-Systeme geben, die sich an Angriffen durch sogenannte Botnetze beteiligen oder Spam verteilen. Weniger Menschen wären von den Folgen schlecht gewarteter IT betroffen, zig Betrugsfälle könnten verhindert werden und letztendlich können hierdurch gar Menschenleben gerettet werden.
Wer an dieser Stelle sofort Einspruch erheben möchte, dass man nicht nur einseitig die positiven Effekte sehen darf, sondern auch berücksichtigen muss, ob der riesige Aufwand, der hierzu nötig ist, das wert ist und der PC ja doch persönliches Eigentum ist, über das der Eigentümer nun wahrlich selbst bestimmen können soll, auch wenn das mitunter durch die heute ganz übliche Vernetzung Folgen für ganz andere Menschen haben kann, dem sei gesagt: Genau das möchte ich an dieser Stelle bezüglich all der Gewerke tun, die im Hier und Jetzt ganz real einer Meisterpflicht unterliegen und die man selbst zuhause, beim eigenen Eigentum, nicht ignorieren darf. Einen klaren und deutlichen Einspruch erheben. Mit voraussichtlich ganz ähnlichen Begründungen.
Ich sehe hier Eigenverantwortlichkeit und Unsummen an Aufwand und Geld, die durch eigenverantwortliches Handeln gespart werden können und eine Gesellschaft, die daraufhin auch die Folgen von Missgeschicken, derer es dann mit Sicherheit mehr geben wird, tragen kann, da diese geringer wirken als die Unsummen, die aus der Pflicht entstehen, diese Arbeiten immer und überall nur von unter Meisterpflicht stehenden und eingetragenen Unternehmen durchführen lassen zu müssen. Folgen und Extraaufwände, die aus dem Verbot des eigenverantwortlichen Handelns im heimischen Haushalt folgen. Einem Verbot, das existiert, weil eventuell vielleicht doch einmal in Millionen Fällen ein positiver Effekt eintreten könnte, weil so vielleicht doch eventuell ab und an mal ein Unglück verhindert werden kann, das tatsächlich eine reale negative Auswirkung hat.
Das bitte nicht falsch verstehen. Eine Meisterpflicht für Dienstleistungen ist sinnvoll. Die Meisterpflicht an sich ist sinnvoll und soll generell bestehen bleiben, jedoch völlig anders geregelt sein. Tatsächlich sollte in der Tat ebenfalls für das ein oder andere moderne Gewerk eine Meisterpflicht bzw. Zulassungspflicht für entsprechende Gewerbe eingeführt werden. Dienstleistungen rund um den PC dürfen aktuell von jedem beliebigen unterbelichteten Schrauber angeboten werden. Das sollte in der Tat besser reguliert werden. An einer Meistepflicht für diverse kommerzielle Gewerke, wie sie aktuell besteht, finde ich sehr sinnvoll. Aber zuhause an seiner eigenen Hardware eigenverantwortlich herum basteln, das sollte jeder dürfen. Egal ob es der PC oder sonstige Infrastruktur mit Außenwirkung ist. Denn eine Meisterpflicht an sich ist durchaus sinnvoll, garantiert aber halt eben keine gute Arbeit und schon gar keine bessere gegenüber jemandem, der keine Eintragung in einer Handwerkskammer besitzt.
Ich benötige keine Warnaufkleber auf Kaffeebechern, dass Kaffee heiß sein könnte und dass Katzen nicht in der Mikrowelle getrocknet werden dürfen. Klar können diese Leben retten und haben das vielleicht auch schon. Nur wer das nicht von sich aus weiß und sich daher verbrennt, soll das bitte tun und nicht umgekehrt dafür sorgen, dass der Rest der Menschheit verblödet!
Weder in der Informatik, beim PC, aber genauso wenig garantiert eine Meisterpflicht in den klassischen Gewerken, dass deren Betrieb hierdurch sicher ist. Das musste ich bei fast allem, was in und um mein Haus geschehen ist, mehrfach feststellen.
In unserem Haus wurden diverse handwerkliche Tätigkeiten von Meistern ihres Faches - immerhin sagen das die entsprechenden Handwerkskammern - gründlichst versaut. Schon vor dem Kauf unseres, zum Zeitpunkt des Kaufes schon rund 60 Jahre alten Hauses, sowie auch anschließend.
Bevor wir das Haus gekauft haben beispielsweise die gerade mal rund 8 Jahre zuvor erneuerte Elektroinstallation, in der zum Zeitpunkt der Übergabe teils die Erdung (PE) gar nicht angeschlossen war - fällt halt nicht auf, wenn man nicht explizit darauf testet und schlicht weiß, dass man alles richtig macht. Während sich das noch auf einen Flüchtigkeitsfehler zurückführen lässt und weniger auf fehlende Kenntnis, ist das bei einem einzigen 40 Ampere RCD (früher: FI) zwischen 63 Ampere SLS und drei und mehr 16 Ampere LS alles andere als das: kein simpler Flüchtigkeitsfehler. Auch das hatten wir. Der selbe Installateur wird dabei vermutlich über so einiges gemeckert haben können, das er von seinen eigenen Vorgängern gesehen hat. So wie der erfahrene Automechatroniker Radschrauben nach Gefühl anzieht und somit auf einen Drehmomentschlüssel verzichten kann und immer wieder darüber stolpert, dass Radschrauben - natürlich nur von anderen - zu fest oder schon komplett lose sind, wenn man sich darum kümmert. Geht prima, selbst über Jahre hinweg. Auch schon erlebt.
Was man in dem Zusammenhang ständig von eben solchen Profis hört: wie sie sich über die Arbeiten ihrer Vorgänger aufregen. Den Mist sehen, der vor ihnen Stattgefunden hat. Und sich herrlich darüber echauffieren können. Mit etwas Lebenserfahrung und als jemand, der schon häufiger zugeguckt hat, hat man das durchaus schon mehr als einmal erlebt. Glaubt nun irgend jemand an der Stelle ernsthaft, der nächste kann nicht (möglicherweise eher an anderer Stelle) später genauso über wiederum seinen Vorgänger herziehen? Was könnte das wohl bedeuten und welche Schlüsse können hieraus gezogen werden? Eher dass alle immer perfekt arbeiten oder dass schlicht jeder seine Fehler macht? Ich denke wohl eher letzteres. Und genau das muss man berücksichtigen!
Nächster Fall: Eine nur wenige Jahre vor unserem Hauskauf erfolgte Erneuerung der Heizungsanlage, bei der der Installateur recht offensichtlich die noch immer größtenteils erhaltene Altinstallation nicht wirklich verstanden hat. Er hat eine längst komplett überflüssige Stichleitung zum alten Ausdehnungsgefäß des alten Schwerkraftheizungssystems, das er am Dachboden demontiert hat, beibehalten und mit einer überaus aufwändigen Neuinstallation entlüftet. Eine völlig unnütze blinde Stichleitung! Während einer der eigentlichen Heizungsstränge am höchsten Punkt abgeklemmt und als tote Stichleitung unentlüftet daneben stand. Auch wenn hierdurch natürlich bei etwaiger Neubefüllung jede Menge Luft im System blieb und zu ständigen, ärgerlichen Luftansammlungen in den Heizkörpern führte, ist dies noch ein eher unbedeutender Fehler, verglichen mit dem völlig überdimensionierter Heizkessel ohne internen Speicher, der hier ganz ohne externen Speicher installiert wurde: Der muss nun im Minutentakt die Flamme starten und stoppen, weil das teure Markengerät zwar fähig ist zu modulieren, aber bei weitem nicht in dem bei den Voraussetzungen nötigen Rahmen. Er moduliert somit real nicht, sondern produziert zig an-aus-Zyklen pro Stunde. Hunderttausende Brennerstarts in wenigen Jahren bei einem modernen, modulationsfähigen Brenner. Eine Klare Fehlplanung des Meisters am Werk hier.
Oder unser PV-Installateur, der sich an keinerlei Vorgaben der Systemhersteller gehalten hat. Nicht an die vorgegebenen Installationszonen des Modulherstellers, nicht an die Installationsvorgaben des Modulträgersystems zum Schraubentyp und Art der Verankerung im Dachsparren (hat er gar nicht erst durchgeführt und nur in der Konterlattung verankert - ein nicht unerheblicher Fehler bei der vorhandenen Aufdachdämmung), nicht an elektrische Vorgaben wie Potentialausgleich (fehlt bei einer Hälfte des Systems komplett), nicht an die Vorgaben zur Kabelgüte für die Stromwandler der Wallbox (unkategorisiertes, ungeschirmtes, unverdrilltes Kabel statt Cat.5), nicht an die Vorgaben des Verteilnetzbetreibers (u.a. kein freier Platz im OAR, kein RfZ) … und so weiter. Aber Hauptsache nur er darf die Anlage korrekt anmelden und Plomben im Verteilerkasten setzen!
Das war die beste Stilblüte meisterlicher Abzocke. Das übertrifft gar noch einen Wasserschaden hier - als Versicherungsfall. Das Ersetzen eines ca. 1 Meter langen Stückchens HT-Abflussrohr kostete 2 Meister - einer davon vielleicht gerade mal 16 Jahre jung und schon auf den ersten Blick für den Laien eben nur auf der Rechnung Meister und in echt wohl eher ein Azubi - einen ganzen Tag Arbeit. Über 1.000 Euro waren hier fällig. Denn in feinster Manier wurde geschuftet - zumindest wenn gerade jemand zugeguckt hat. Und hierbei feinste 1A-Qualitätsware, neues Rohr auf sage und schreibe einem ganzen Meter verbaut. Doppelt dickes Silent-Rohr, ummantelt mit Dämmschlauch und mehrlagig Dämm-Klebestreifen. Hauptsache Teuer. Angestückelt an direkt in Beton gegossene und damit den Schall perfekt übertragende, alte Guss-Rohe und völlig ungedämmte, alte HT-Rohre. Eigentlich völliger Schwachsinn, wurde dies jedoch anstandslos von der Versicherung übernommen, weil “Normalpreis”! Das ist meisterliches Handwerk.
Mich hätte die Aktion vermutlich - alleine und ohne weitere Hilfskräfte - einen halben Tag und ca. 20 € Material gekostet. Etwas Wissen und geeignetes Werkzeug vorausgesetzt und natürlich eine gewisse Muße. Hatte ich zu dem Zeitpunkt nur halt nicht und so hat es die Versicherung 1.000 € gekostet und nicht zwanzig. Und - das wiederum ist das eigentliche Problem: Die 20 € hätte ich wohl als Heimwerker von der Versicherung nicht ersetzt bekommen und meinen Zeitaufwand sowieso nicht. Somit sind die 1.000 € Versicherungsschaden die logische, weil notwendige Konsequenz. Wie es eben jeder machen würde. Wie es üblich ist.
Während ich den Austausch des Abflussrohres nun wohl durchaus hätte legal selber machen dürfen, ist das mit vielem im Haus anders. Das darf ich gar nicht, ohne in einem Betrieb tätig zu sein, welches in der passenden Handwerksrolle eingetragen ist. Es könnte ja, vielleicht, unter Umständen, die Gefahr mag abstrakt sein aber bestehen, dabei etwas geschehen, was auf mich und andere Menschen negativ wirkt. Vielleicht. Das Vielleicht reicht dabei, ein zulassungspflichtiges Gewerbe vorauszusetzen. Gleichzeitig muss ich aber zusehen, wie die Fachleute ganz real Scheiße bauen und insbesondere wie Leute ihre PCs selber warten und dabei mit durchaus weit höherer Wahrscheinlichkeit anderen auf den Senkel gehen?
Muss das sein? Muss ich nun einerseits zusehen, wie Laien in meinen Fachgebiet beliebig hantieren und völlig legal Blödsinn verzapfen, während ich selber zugucken muss, wie teuer bezahlte Betriebe bei mir Blödsinn verzapfen, den ich nicht selber machen darf? Ich finde das alles in allem unsinnig.
Fehler der beschriebenen Art finden sich doch zuhauf in jeder Installation. Pfusch am Bau ist weit verbreitet. Wer kennt es nicht, dass - wie oben schon beschrieben - Handwerker über ihre Vorgänger und damit Fachkollegen ablästern und es dann im nächsten Moment mal selber nicht so genau nehmen? Mit genügend Sachverstand lassen sich Fehler halt in so mancher, wenn nicht gar der überwiegenden Anzahl der Installationen finden. Aber selber darf man keine Hand anlegen, weil man könnte ja, vielleicht, eventuell, ebenfalls solchen Mist veranstalten? Diese “German Angst” geht mir tierisch auf den Senkel.
Das sehe ich nicht ein. Und so habe ich nun mittlerweile vieles selber in die Hand genommen. Und das bei dem, was ich hier so vorgefunden habe, mitunter gar besser als der Profi.
Passieren kann dabei immer etwas. Klar. Morgen gibt es einen Kurzen in einem Gerät und das Haus fackelt ab. Auch wenn weniger wahrscheinlich als bei dem, was die Profis hier so alles verbrochen haben, kann natürlich auch bei größter Vorsicht dennoch immer etwas schief gehen. Aber das Risiko zu tragen, liegt dann bei mir zuhause bei mir und ich muss mich nicht darüber ärgern, dass der verantwortliche Handwerker dann doch wiederum nicht verantwortlich ist, weil kann ja sonst wer ganz anderes zuvor oder danach gewesen sein und der Beweis ist bekanntlich schwierig. Denn objektiv tatsächlich verantwortlich sein, aber letztendlich auch Verantwortung übernehmen (zu müssen) sind halt eben doch wiederum noch zwei völlig verschiedene paar Schuhe und das macht insbesondere der hoch professionelle, Meister des Handwerks letztendlich daher sowieso eher nicht.
Es ist an der Zeit, die gesetzlichen Vorgaben zu ändern, zu mehr Eigenverantwortung. Das wird schwer, gegen die stark in der Politik vertretenen Handwerkerlobbies. Aber es ist an der Zeit, dies anzugehen!
My home is my castle. MY castle!
Wir nehmen unseren Bürgern die Angel, um ihm besser Fisch verkaufen zu können. Das ist das Gegenteil von dem, was man machen sollte. Stattdessen sollten wir Eigenverantwortlichkeit der Bürger im eigenen Verantwortungsbereich fördern, statt diese weg zu reglementieren, zu verbieten. Natürlich birgt das auch eine gewisse Gefahr, insbesondere natürlich auch zur Selbstgefährdung. Aber Leute, das ist das Leben! Zu lernen, damit umzugehen, auf sich selbst aufzupassen, das ist wesentlich sinnvoller als immer und überall an die Hand genommen zu werden und sich dumm alles vorkauen zu lassen.
Dass Lobbyorganisationen entsprechender Gewerke natürlich lieber letzteres wollen, ist klar. Dumm kauft gut. Sich in einer Argumentationslinie gegenüber Politik bzw. der Norm-/Gesetzgebung dazu auf die Gefahren zu versteifen, ist dabei natürlich ein sehr wirksames Mittel. Der gesellschaftliche Schaden, der daraus folgt, ist jedoch enorm. Es hätte einen gesellschaftliche Vorteil, wenn wieder mehr Leute mehr Dinge selber in die Hand nehmen würden. Einerseits zu bemängeln, wie das Handwerk verschwindet, aber sich von diesen hier Gesetze diktieren zu lassen, ist auf Dauer kontraproduktiv, ein Fehler und muss geändert werden. Der Bürger muss - eben eigenverantwortlich - in den eigenen vier Wänden auch solche Tätigkeiten durchführen dürfen, die als Dienstleistung selbstverständlich einer Pflicht zur ordnungsgemäßen Qualifizierung unterliegen.
Ja, natürlich ist es sinnvoll, bezahlte Dienstleistungen zu reglementieren. Kunden, die etwas kaufen, möchten vergleichbare Qualität zu vergleichbaren Preisen. Das erreicht man mit Regeln und einer Organisation, die diese entwickeln und deren Anwendung überwachen. Handwerkskammer&co. sind hier Teil der sinnvollen und wirksamen Mittel. Aber wie immer: Lässt man ihnen freie Hand, gewährt zu viel Einfluss und Macht, führt das ganz selbstverständlich zu einem Überschwingen, zu Überregulierung. Es ist die natürliche Reaktion des Menschen, das Maß nicht voll zu kriegen! Warum sollte es an der Stelle anders sein. Natürlich muss man auch die Regulierer maßregeln.
Ich hab schon mehr als einmal selber an Veranstaltungen auf Seiten von Regulierungsgebern teilgenommen und das Bild in der Gruppendynamik ist - je mehr auf ihrem Gebiet erfahrene Teilnehmer in einem gewissen Alter dabei sind desto deutlicher - immer das Gleiche: Mehr Regeln und mehr Einschränkungen einzufügen ist super einfach. Alte zu überdenken und zu streichen quasi unmöglich. Die alten Regeln werden seit Jahren gelebt und ja nun doch auch hart für diese gearbeitet. Sie in Frage zu stellen hieße die eigene Arbeit oder die angesehener Kollegen in Frage zu stellen. Das geht nicht.
Das ist jedoch ein Fehler. Regeln in Frage zu stellen und auch zu streichen muss möglich sein. Und das eben selbst dann, wenn es durchaus gute Gründe für diese gibt. Eben dann, wenn Nachteile überwiegen. Und das ist eben bei Reglementierungen, die einseitig und über Gebühr einschränken, durchaus häufig der Fall.
Freie Fahrt für freie Bürger!
Noch etwas zu Normen. Typisch Norm: Wenn etwas für 1% aller möglichen Fälle wirklich wichtig ist, in 99% der Fälle jedoch völlig unnötig, dann steht es mitunter in einer Norm als generell zwingen notwendig, weil ist ja wichtig. Es gibt bei der Erstellung von Normen schnell einen Konsens, dass so etwas wichtig ist zu reglementieren. Man kann schön viele Fälle konstruieren, die bar jeglicher Praxisbedeutung gut klingen und wichtig zu reglementieren sind. Das weiß ich aus eigener Erfahrung auf Seiten Normengeber. Handwerker kennen nun oft nur die Norm und wissen nur, dass ein Punkt geregelt und wichtig ist, aber nicht unbedingt die Umstände, die zu dessen Wertung als wichtig führen. Schnell verkennt man die genauen Umstände, weiß durchaus mal nicht wirklich, weshalb das überhaupt gelten soll. Wenn man sich in dem Punkt nun nicht an die Norm hält, weil im konkreten Fall vor Ort nicht notwendig, kann besagter Handwerker klar eine Nicht-Normgerechtigkeit feststellen und mit Verweis auf besagte Norm auf einen Fehler in der Durchführung bestehen und diesen als zu behebenden Mangel ankreiden.
Beispiel hierzu, Verkabelung im Schaltschrank/Verteiler. Hier gibt es Tabellen zur Strombelastbarkeit von Kabeln, bspw. der Zählerplatzverdrahtung. Hieraus ergibt sich ein Wert, mit dem man einen bestimmten Querschnitt an Kabeln höchstens absichern darf. Sobald man dahinter einen Stromerzeuger hat, bspw. eine PV-Anlage, muss nun per se um dessen Wert geringer abgesichert werden, weil die Anlage auf dem selben Kabel ja zusätzlich noch quasi “von der anderen Richtung” einspeisen könnte. Das festzulegen ist durchaus sinnvoll. Und dass sich Installateure gerne mal schlicht an diese Regel halten damit natürlich auch. Der Umstand trifft jedoch nur in Spezialfällen zu und kann mitunter in der konkreten Installation ausgeschlossen werden. Technisch ist es dann völlig in Ordnung, die Norm an der Stelle zu ignorieren. Darf man jedoch nicht. Und derjenige, der an der Stelle nicht technisch sondern anhand der einschlägigen Normen argumentiert, der ist am Ende im Recht. Denn im Prozess einer Begutachtung werden nicht physikalische Gegebenheiten gewertet sondern die Papierlage. Normen und Gesetze. Das ist das größte Problem an der Stelle.
Die sinnvollste Lösung dieses Problems ist nicht mehr und mehr Regelungen, sondern das genaue Gegenteil: mehr Freiheit und weniger Normierungen. Das führt zu gewissen Unsicherheiten. Diese sind aber weit weniger schädlich als die allgegenwärtige Überreglementierungen.