Beamter
Aufgabe: Erkläre das typische Verhalten deutscher Beamter
Winterszenario: Familie. Papa, Mama, Kind.
Schüler, Beamter, nicht-Beamter.
Kind fällt morgens auf dem Weg zum Schulbus. Steht daher anschließend weinend vor der heimischen Haustüre.
Also erst einmal Kind rein holen. Schadensbegutachtung. Schürfwunden an Knie, Händen und Stirn. Aber nach 5-10 Minuten zeigt sich, ist wohl doch nicht viel passiert. Schule sollte möglich sein.
Der Bus ist jedoch weg.
Also muss wer fahren. Der Beamte steht zwar schon in den Startlöchern, Hose, Schuhe, alles schon an, möchte in 5 Minuten sowieso weg, aber halt erst in 5 Minuten und das Kind muss ja jetzt gefahren werden. Das geht halt nicht.
Also plant der Nicht-Beamte sofort um. Schnell für draußen umziehen, Schuhe an, die nächsten 30-60 Minuten des ursprünglich geplanten Tagesablaufes stechen. Das gerade schon halb zerlegte und auf weitere Bearbeitung wartende Gerät, an dem man gerade arbeitet, kann auch warten. Muss halt sein. Kind gepackt, Auto aus der Garage, schnell auf zur Schule.
Wieder zurück zuhause: der Beamte ein wenig im Stress. Wollte doch längst gefahren sein, aber das Auto war ja nicht da. Nun ist man doch etwas spät dran.
Der Weg des besagten Beamten führt diesen übrigens nun knapp an der Schule vorbei. Hätte das Kind prima mitnehmen können. Aber das war halt nicht geplant. Dass jetzt die Verspätung da ist, das ist nun halt Schicksal. Unumgänglich.
Hätte die Situation verhindert werden können?
Aus Erfahrung und tiefster Überzeugung sagt der Nicht-Beamte an der Stelle: Nein.
Ich hab seit Jahren mit Beamten und speziell mit diesem Typ zu tun und kann klar sagen: nein. Schon vor Jahren war mir das klar, als ich lieber mehrere Kilometer zu Fuß zum Treffpunkt gelaufen bin als dass besagter Beamter diese Strecke mit dem Auto als Umweg fährt, um - umgekehrt - mich abzuholen. Schon damals war Diskussion an der Stelle zwecklos. Der Weg sieht den Umweg nicht vor. Statt 5 Minuten Umweg für den einen halt 30 Minuten Fußweg für den anderen einplanen ist die einfachere Lösung. Ehrlich. Ist so.
So war heute morgen klar: Ich hatte es zwar vorher schon mutlos angesprochen – „du fährst da doch eh vorbei!?“ – und auch nachher – „ja, bin jetzt etwas später zurück, war halt viel Verkehr um die Schule herum um die Zeit, aber warum bist du nicht einfach 5 Minuten früher und dann an der Schule vorbei gefahren!?“ … eine Antwort kennt an der Stelle aber wohl niemand.
Zuhause in der Familie lässt sich damit prima leben. Die Situationen sind so selten und die Vorteile aus anderen Situationen überwiegen so dermaßen, dass mir diese Sache so dermaßen am A… vorbei geht, dass ich gar nicht weiter darüber nachdenke. Schei… drauf. Ich werd’s das nächste Mal exakt genau so wieder machen. Schnell umziehen, handeln, Diskussion um die offensichtlich bessere Lösung zwecklos. Ist einfach weniger stressig.
Woran ich an der Stelle vielmehr denke: Genau das beobachte ich aber halt auch auf der Arbeit. Umgeben von Menschen deren Handlung so ausgerichtet sind. Man verlangt, dass andere Kreise um einen drehen, um sich möglichst wenig selber bewegen zu müssen. Und ich arbeite halt in einem Bereich, bei dem unsere „Kunden“ dazu gezwungen sind, dem zu folgen. Wir machen die Regeln. Die beste Lösung ist dort – wie oben beschrieben – für besagte „Kunden“ daher schlicht und einfach jeden Blödsinn mitzumachen. Und ich sehe das. Und kann nichts dagegen tun. Jeglicher Versuch wird schon im Keim erstickt. Es ist einfach zwecklos.
An der Stelle frag ich mich daher mittlerweile immer mehr, ob ich damit leben kann. Entweder man stumpft ab und wird selber so oder … tja… oder was… ich weiß es nicht.
Das Problem an der Stelle: Ist hier der Umstand „Beamte“ vielleicht nur Zufall, mehr Korrelation als Kausalität?